Das wahrscheinlich nicht. Aber es ist möglich, mit Hilfe verschiedener Übungen achtsam zu essen. In der modernen schnelllebigen Zeit neigen wir leider häufig dazu, zu schnell, zu ungesund und zu viel zu essen. Obwohl wir eigentlich schon längst satt sind, essen wir trotzdem weiter. Warum? Macht das irgendeinen Sinn?

Viele Menschen wissen nicht einmal mehr, ob sie Hunger oder Durst haben. Hunger wird oftmals mit Durst verwechselt und umgekehrt. Durch die ständige Nahrungsaufnahme und das schnelle Herunterschlingen der Mahlzeiten fällt es vielen Menschen zunehmenden schwerer, die Signale ihres Körpers zu verstehen. Dies führt häufig sogar zu Übergewicht. Die Betroffenen machen diverse Diäten und nehmen trotzdem kaum an Gewicht ab oder sie nehmen sogar zu. Aber wie kann all das sein?

Manchen Menschen würde es tatsächlich gut tun, wenn sie einfach eine Portion Achtsamkeit essen könnten. Wir haben leider alle nicht die Weisheit mit Löffeln gegessen. Deshalb ist es so wichtig, sich immer wieder Gedanken, über sich, sein Leben und natürlich auch über seine tägliche Nahrung zu machen, die man seinem Körper zuführen möchte.

Wie kann man achtsam essen?

Zunächst ist es wichtig, sich darüber bewusst zu werden, warum man überhaupt gerade etwas essen möchte. Das Stück Schokolade, dient es jetzt in diesem Augenblick dem Genuss oder möchte man durch das Essen der Schokolade eine andere Lücke füllen. Vielleicht fühlt man sich gerade traurig oder möchte sich für etwas belohnen.

Achtsamkeit essen bedeutet nicht, dass man keine Süßigkeiten mehr essen darf. Es bedeutet, dass man sich darüber bewusst wird, warum man isst und vor allem was man isst. Durch achtsames Essen lernt man die Signale seines Körpers wieder besser zu verstehen und lernt das natürliche Hungergefühl wieder zu erkennen. Zudem nimmt man den Geschmack der Lebensmittel wieder besser wahr, wenn man sich bewusst und voller Achtsamkeit auf das Essen, den Geschmack, die Konsistenz, die Beschaffenheit usw. konzentriert.

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Ich mag keine Rosinen!

Das haben viele Menschen gesagt, bevor sie einen MBSR-Kurs besucht haben. Kabat-Zinn und viele andere, die MBSR Kurse anbieten, machen im Rahmen dieser Kurse, vor allem, wenn es um das achtsame Essen geht, eine wichtige Meditation zur Achtsamkeit beim Essen – die sogenannte Rosinenübung.

Die Rosinenübung ist wohl die bekannteste Achtsamkeitsübung aus den MBSR-Kursen. Sie ist zudem nicht nur für Fortgeschrittene, sondern auch sehr gut für Anfänger geeignet. Für die Übung braucht man lediglich etwas Zeit und eine Rosine.

Achtsamkeit Essen als Alltagsübung
Achtsamkeit Essen als Alltagsübung

Rosinen sind nur schrumpelig und süß

Irrtum! Sie sind noch viel mehr. Das wird jeder feststellen, der die Rosinenübung macht. Man erlebt eine völlig neue Art des achtsamen Essens. Bei dieser Übung werden nämlich alle Sinne mit einbezogen. Man sieht, tastet, riecht und schmeckt die Rosine. Wenn man sich auf jeden Sinneseindruck konzentriert, rückt man automatisch in den Zustand der Achtsamkeit. Man wird sich bewusst wie ein Nahrungsmittel aussieht, riecht, schmeckt und sich anfühlt. Man schmeckt nicht nur, ob es süß, sauer, salzig oder bitter ist. Man spürt, ob es kalt warm, glatt, rau, weich, hart, faserig, glitschig usw. ist.

Das achtsame Essen kann man überall machen

Ob im Büro, zu Hause oder unterwegs. Man kann überall achtsam essen. Zum besseren Verständnis sollte man die Übung jedoch zu Beginn mit einer Rosine machen. Man tut so, als würde man das allererste Mal in seinem Leben eine Rosine sehen und sich die Frage stellen, ob dieses schrumpelige Etwas überhaupt essbar ist!? Welche Wirkung hat sie, wenn man sie betrachtet? Wie fühlt sie sich in der Handfläche an und wie, wenn man sie zwischen Daumen und Zeigefinger hält? Wie sieht sie aus? Wie würde man jemandem eine Rosine beschreiben, der nicht sehen kann? Wie verändert sie ihr Aussehen im Licht? Ist die Rosine wirklich nur braun?

Wie riecht eine Rosine?

Nachdem man die Rosine ertastet hat und die Unebenheiten mit den Fingern und an der Handinnenfläche gespürt hat, darf man sie beschnuppern. Wie riecht sie? Riecht sie nach nichts? Riecht sie süß oder sauer? Vielleicht bekommt man jetzt sogar Appetit darauf, die Rosine zu essen. Bevor man sie essen darf, sollte man akzeptieren, dass man sie essen möchte und dieses Gefühl einfach gehen lassen, während man sich weiter mit der Beschaffenheit der Rosine befasst.

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Wie fühlt sich die Rosine an, wenn man sie mit offenen Augen und wie, wenn man sie mit geschlossenen Augen inspiziert. Wie verändert sie sich, wenn man sie leicht zusammendrückt. Verändert sich nur ihr Aussehen oder auch die Beschaffenheit und der Geruch? Vielleicht kann man eine Rosine sogar hören!? Macht sie ein Geräusch, wenn man sie zwischen den Fingerspitzen dreht und wendet?

Wie schmeckt eine Rosine?

Bevor man die Rosine nun verzehrt, berührt man sie zunächst mit den Lippen. Dann nimmt man sie in den Mund. Bevor man drauflos kaut, sollte man sie jedoch mit der Zunge ertasten. Wie schwer ist sie, wie fühlt sie sich auf der Zunge an? Breitet sich vielleicht schon ein Geschmack aus. Die Rosine darf ruhig im Mund hin und her bewegt werden. Wenn man die Rosine essen möchte, sollte man diesen Impuls zur Kenntnis nehmen, ihm aber noch nicht nachgeben, sondern die Rosine weiter erforschen.

Nun darf die Rosine zwischen die Zähne genommen werden. Wie viel schmeckt man? Ist die Rosine saftig? Wie fühlt sich das Fruchtfleisch an? Wie bewegt sich der Kiefer und wie fühlen sich die Zähne an, während man die Rosine kaut? Erst wenn sie sich fast verflüssigt hat, schluckt man sie runter und spürt dem Geschmack und Gefühl im Mund noch etwas nach. Genauso kann man mit jedem anderem Lebensmittel verfahren und dadurch das achtsame Essen erlernen und es zu einem ganz neuem Erlebnis werden lassen.