Viele Menschen gehen insgesamt eher unachtsam mit sich um. Irgendwann wird es der Psyche oder dem Körper dann zu viel und der Körper streikt. Wir werden krank, verspüren Verspannungen, Rückenschmerzen, Bauchschmerzen, ein unangenehmes Kribbeln, Kopfschmerzen oder ähnliches.

Andere Menschen wiederum leiden an somatoformen Störungen. Sie nehmen ihren Körper also stärker wahr, als es sein müsste. Ein harmloses Kribbeln kann in diesem Fall so unangenehm sein, dass die Betroffenen dahinter eine ernste Krankheit vermuten. Dabei sind sie kerngesund und haben ein harmloses Kribbeln lediglich falsch interpretiert.

Der Körper wirkt sich auf die Psyche aus und die Psyche kann sich umgekehrt auf den Körper auswirken. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist es so wichtig, seinem Körper gegenüber achtsam zu sein. Aber wie kann man achtsam mit seinem Körper umgehen?

Jeder Gedanke beeinflusst den Geist

Vielleicht spürt man eine Verspannung oder ein merkwürdiges, flaues Gefühl in der Magengegend und weiß gar nicht warum. Es gibt viele Übungen im Bereich der Achtsamkeit, die diesen Problemen entgegenwirken können. In diesem Fall reicht es oftmals schon aus, seine Gedanken zu beobachten. Häufig hat man negative Gedanken, die man im Alltagstrubel gar nicht wahrnimmt. Also schickt die Seele den Körper vor und verursacht ein unangenehmes Körpergefühl, das eigentlich nur sagen soll: „Hey, denke doch nicht so einen Blödsinn, über dich, über andere und über deine Umwelt.“

Umgekehrt kann ein komisches Körpergefühl allerdings auch für negative Gedanken sorgen. Menschen mit chronischen Schmerzen neigen zum Beispiel häufig zu negativen Gedanken, wodurch dann oft Depressionen entstehen. Es ist also wichtig, dass wir uns durch Übungen und das bewusste wahrnehmen unseres Körpers und unserer Gedanken achtsam gegenüber sind. Durch eine kurze Achtsamkeitsübung können sich unsere Gefühle verändern.

Den Geist zur Ruhe bringen

Zunächst ist es wichtig, den unruhigen Geist etwas zur Ruhe zu bringen. Unsere Gedanken plappern rund um die Uhr. Und meistens sind sie negativ und zerstörerisch oder sie handeln von der Vergangenheit oder der Zukunft. Um ruhig sein zu können und zu bleiben, ist es jedoch wichtig, im Hier und Jetzt anzukommen. Dies gelingt mit folgender Übung sehr schnell.

Wir Menschen glauben zwar immer, dass wir mehrere Dinge gleichzeitig können, im Grunde genommen ist das aber völlig falsch. Wenn wir uns der Geräusche, die uns umgeben bewusst werden und dabei bleiben, die Geräusche zu beobachten, können wir uns auf nichts anderes konzentrieren. Alle Sorgen und das ewige Geplapper unserer Gedanken rücken in den Hintergrund, während die Geräusche näher in unser Bewusstsein rücken. Vielleicht hören wir die Vögel zwitschern oder ein Auto in der Ferne. Wo kommt das Geräusch her? Ist es nah oder fern? Ist es leise oder laut? Ist es ein natürliches Geräusch oder doch eher mechanisch? Damit diese Übung zuverlässig gelingt und wir sie auch in schwierigen Situationen aufrufen können, müssen wir sie immer wieder üben.

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Alternativ kann man auch den Atem bewusst spüren. Wie strömt er durch die Nase ein? Wohin fließt er dann? Welche Körperteile bewegt er und wie strömt er wieder aus? Wenn der Geist zur Ruhe gekommen ist, konzentrieren wir uns auf den Körper. So bringen wir Körper und Geist durch verschiedene Achtsamkeitsübungen in Einklang miteinander. Dies können wir auch während einer Meditation machen, indem wir abwechselnd unsere Aufmerksamkeit auf die Geräusche, die uns umgeben, den Atem und unseren Körper lenken.

Was ist ein Bodyscan?

Bei einem sogenannten Bodyscan handelt es sich um eine Entspannungsmethode, bei der man seinen Körper geistig, also innerlich abtastet. Der Bodyscan funktioniert besonders gut vor dem Einschlafen oder nach dem Aufwachen. Wichtig ist, dass die Gedanken möglichst ruhig sind, damit man sich auf den Körper konzentrieren kann.

Die Übung kann sowohl im Liegen als auch im Sitzen durchgeführt werden. Bei der Übung können auch unangenehme Körperempfindungen, Gedanken oder Emotionen auftreten. Beim Bodyscan geht es darum, all dies völlig wertfrei wahrzunehmen und anzunehmen. Dadurch lernt man auch unangenehme Gefühle als neutral zu empfinden. Sie sind also weder gut noch schlecht, sie sind einfach da und so wie sie sind.

Zunächst setzt oder legt man sich entspannt hin. Bei der Übung sollen der Geist und der Körper miteinander in Einklang gebracht werden und zur Ruhe kommen. Diese Achtsamkeitsübung kann sehr entspannend wirken. Es ist jedoch wichtig, währenddessen aufmerksam und wach zu bleiben.

Die Arme liegen entspannt neben dem Körper oder auf den Oberschenkeln. Nun atmet man tief ein und aus. All dies geschieht völlig bewusst. Es ist normal, wenn die Gedanken zunächst abschweifen. Sobald man es bemerkt, richtet man die Aufmerksamkeit wieder auf den Körperteil, den es zu beobachten gilt.

Der Bodyscan beginnt bei den Füßen. Wo berühren die Füße den Boden oder die Unterlage? Man nimmt die Fußsohlen, die Zehen, die Fersen und den Spann bewusst wahr. Von den Füßen wandert man weiter in die Unterschenkel und die Scheinbeine.

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Von dort aus geht es weiter zu den Knien und den Oberschenkeln. Wie fühlen sie sich an? Sind sie warm oder kalt? Ist ein Kribbeln oder vielleicht Schmerz zu spüren? Wo berühren die Körperteile die Unterlage oder den Stuhl?

Wie fühlt sich der Po an? Ist er verspannt oder locker? Warm oder kalt? Liegt oder sitzt er schwer auf der Unterlage oder dem Stuhl?

Wie fühlt sich der Bauch an? Wie fühlt er sich an, wenn der Atem ein- und ausströmt? Kribbelt er oder ist ein Gluckern zu spüren?

Vom Bauch wandert man weiter zum Rücken. Sind die unteren Rückenmuskeln entspannt oder angespannt? Wie fühlt sich der obere Rückenbereich an? Sind die Schultern lockern und hängen nach unten oder werden sie nach vorne und oben gezogen?

Wie fühlt sich das Gesicht an? Ist es entspannt oder kann man es vielleicht etwas entspannen? Wie fühlt sich der Unterkiefer an? Ist er locker oder beißen die Zähne fest zu? Sind die Augen locker geschlossen oder eher zugekniffen?

Wo liegen die Arme auf? Wie fühlen sich die Oberarme, die Ellenbogen, die Unterarme und die Hände und Finger an? Sie sind kalt oder warm? Kribbeln sie? Wo liegen sie auf?

Nachdem man alle Körperteile gedanklich abgetastet hat, öffnet man mit der nächsten Ausatmung die Augen. Nun darf man sich nach Herzenslust recken und strecken, ehe man seinem Alltag wieder nachgeht.

Für den Bodyscan gibt es auch geführte Anleitungen per Video oder Audio. Diese können zwischen 10 und 45 Minuten dauern. Zu Beginn empfiehlt es sich, die längere Version durchzuführen. So lernt man bewusst seinen Körper wahrzunehmen und verspannte Stellen loszulassen. Das wirkt sich positiv auf den Geist und den Körper aus.

Es ist wichtig, den Bodyscan regelmäßig, am besten täglich durchzuführen. So überprüfen wir irgendwann automatisch unseren Körper im Alltag und bemerken schneller, wenn etwas nicht stimmt.