Paare verstehen sich oftmals falsch. Das liegt daran, dass sie, vor allem in Langzeitbeziehungen häufig nicht mehr so achtsam miteinander umgehen, wie es noch zu Anfang der Beziehung der Fall war. Früher in der Verliebtheitsphase hat man noch jedes Wort, das der Partner sagte, in sich aufgesogen, als wäre man ein Schwamm. Aber irgendwann hört man nicht mehr richtig hin und es kommt zu Missverständnissen. Dabei ist Achtsamkeit nicht nur im Leben und Beruf wichtig, sondern auch im Umgang mit seinen Mitmenschen. Die Achtsamkeit in der Partnerschaft, kann man lernen.

Verliebte Paare gehen achtsam miteinander um

Viele Paare, die vielleicht schon seit vielen Jahren oder Jahrzehnten zusammenleben, glauben, dass sie bereits alles übereinander wissen. Das Kribbeln im Bauch, das man in der ersten Verliebtheit so genossen hat, scheint abhanden gekommen zu sein. Der Alltag holt einen ein. Langeweile schleicht sich ein und möglicherweise verliert man sogar ein Stück weit das Interesse an seinem Partner, obwohl man ihn eigentlich liebt. Die Aufregung fehlt einfach. Wer jedoch in seiner Beziehung achtsam ist, entdeckt ganz bestimmt völlig neue Seiten an seinem Partner, die er noch nicht kannte.

In der ersten Verliebtheit müssen wir uns in den Situationen, die wir mit unserem Partner erleben, nicht bemühen, achtsam zu sein. Die Aufmerksamkeit ist völlig auf den Liebsten oder die Liebste gerichtet. Der Rest der Welt spielt plötzlich keine Rolle mehr. Die Gedanken kreisen nur noch um den Partner und man gibt sich der schönen Gefühle hin und genießt sie. Wir wollen einfach alles über unseren Partner wissen. Alles fühlt sich neu und schön an. Erst wenn der Reiz des Neuen verfliegt, verschwindet auch die Achtsamkeit gegenüber dem Partner ein wenig.

Die starke Verliebtheit und das berühmte Kribbeln im Bauch verschwinden meistens innerhalb weniger Monate. Der spielerische und achtsame Umgang miteinander, wird zur Routine und fühlt sich gewohnt an. Hat uns der Partner zu Beginn der Beziehung morgens noch die Tasse Kaffee ans Bett gebracht, haben wir uns wahnsinnig gefreut und uns wertgeschätzt gefühlt. Nach ein paar Monaten, wird diese liebevolle Geste oftmals als selbstverständlich betrachtet. Die Aufmerksamkeit richtet sich nun außerdem nicht mehr nur auf die guten Seiten des Partners. Plötzlich bemerkt man ‚Schwächen‘ an seinem Schatz. Die offen gelassene Zahnpasta-Tube, die Socken auf dem Boden, das Schnarchen, das ständige Nörgeln usw.

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Eine Partnerschaft ist keine Selbstverständlichkeit. Als Mensch möchte jeder von uns geliebt und wertgeschätzt werden. Wir wollen nicht als selbstverständlich betrachtet werden. Wenn man das Gefühl hat als ‚langweilig‘ empfunden zu werden und der Partner sich mehr für andere Dinge oder Menschen interessiert, droht die tiefe Beziehung oberflächlich zu werden.

Wer sich jedoch erst mal darüber bewusst wird, kann daran arbeiten und durch Achtsamkeit in der Partnerschaft wieder mehr Leben und Liebe in die Beziehung bringen. Das geht nicht von heute auf morgen. Achtsamkeit muss man üben. Immer wieder und wieder! Dies weiß auch der Psychologe, Theologe und Paartherapeut Hans Jellouschek, der unzähligen Paaren mit seinen Büchern, Seminaren und anderen Paartherapien wieder zu einer glücklichen Ehe oder Partnerschaft verhilft.

Achtsamkeit in der Partnerschaft führt zu mehr Liebe
Achtsamkeit in der Partnerschaft führt zu mehr Liebe

Wie funktioniert Achtsamkeit in der Partnerschaft?

Wenn man als Paar gemeinsame Zeit miteinander verbringt, ist es wichtig, daraus eine Qualitytime zu machen. Das bedeutet, dass man sich für die Dauer des Dates nur seinem Partner widmet. Die Handys werden ausgeschaltet und man genießt die gemeinsamen Momente zu zweit. Damit dies gelingt, muss man sich jedoch erst einmal ins Bewusstsein rücken, dass etwas in der Beziehung nicht stimmt. Dabei geht es nicht um Vorwürfe, sondern darum, gemeinsam Lösungen zu finden, wie man die Beziehung wieder schöner gestalten kann. Oft hilft es schon, wenn man sich an die Anfangsphase zurückerinnert. Was hat man früher gerne gemeinsam unternommen?

Vermeintlich gescheiterte Beziehungen lassen sich häufig noch retten, wenn man dem Partner einfach mal wieder bewusst zuhört. Ja, es ist nicht immer ganz leicht, seinem Partner die volle Aufmerksamkeit zu schenken. Vor allem dann nicht, wenn man schon lange mit ihm zusammen ist.

Manchmal wünscht man sich dann nach einem anstrengendem Tag einfach nur Ruhe und will sich nicht auch noch die Klagen des Partners anhören, wenn er oder sie über den nervigen Chef nörgelt. Eine Möglichkeit um sich wieder näher zu kommen, wäre gemeinsam während einer Meditation zur Ruhe zu kommen. Eine Paar-Meditation, bei der man sich gegenüber sitzt, sich an den Händen hält, in sich hinein hört und den Partner spürt, ist ein wunderbares gemeinsames Ritual, das wieder näher zueinander führt. Danach fällt es dann leichter, seinem Partner bewusst und aufmerksam zuzuhören und neue Seiten an ihm zu entdecken.

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